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der aktuelle Freundesbrief

Diakonissen berichten

Persönliche Erfahrungen

Schwester Erika Tschöpe

Über die Jahreswende 1965/1966 nahm ich an der Silvesterfreizeit in Haus Sonneck teil. Im Gottesdienst am Silvesterabend im Diakonissen-Mutterhaus Hebron fühlte ich mich durch die Predigt persönlich angesprochen. Ich beschäftigte mich dann den ganzen Abend und die Nacht damit, welche Bedeutung eine persönliche Bindung an Christus für mich haben würde. Es folgte ein seelsorgerliches Gespräch mit einer Diakonisse am Neujahrstag. Ich sagte „Ja“ zu Jesus Christus. Er sollte ab jetzt der Herr meines Lebens sein. Pfingsten 1966 war ich wieder in Marburg und nahm am Pfingst-Jugendtreffen teil. In diesen Tagen wurde die Familie Riemer für ihren erneuten Missionseinsatz in Thailand verabschiedet. Frau Riemer erzählte von ihrem Leben und Erleben mit Jesus Christus und erwähnte das Bibelwort aus Matthäus 28,19-20: „Jesus sagt: ‚Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende’.“ Das erreichte mich persönlich. Es war, als wenn Jesus zu mir sagte: „Gehe auch und diene mir. Werde Diakonisse!“ Es folgten viele Stunden, in denen ich mich fragte, ob das mein Lebensweg sein sollte. Nach vielem Hin und Her – auch nach Gesprächen mit Menschen, die mich lange kannten – sagte ich „Ja“ zu dieser Berufung.
 

Schwester Sabine Buck

Dreimal in der Woche nehme ich an einer Bibellesegruppe unserer Schwesternschaft teil. Diese Zeiten sind mir sehr wichtig. Immer wieder kommt es vor, dass mir ein Bibelabschnitt beim persönlichen Lesen nur wenig zu sagen hat. Beim Austausch in der Gruppe staune ich dann oft, wie lebendig der Text wird und wie er mit dem Alltag in Verbindung kommt. Wenn ich gelegentlich zu müde oder zu mutlos bin, um selbst einen Beitrag zu geben, kann ich die Aussagen der anderen Schwestern aufnehmen und werde dadurch ermutigt, manchmal sogar sehr froh.
 

Schwester Hildegard Klein

Die Einkehrwoche kam mir vor wie Rasten nach lange andauerndem Rudern, eben wie eine Insel in meinem Alltag. Ich betete vorher: „Gott, lass mich und jede teilnehmende Schwester bei dir und wirklich bei dir ankommen!“ Thematisch beschäftigten wir uns mit unserer Berufung als Diakonisse. Seither begleiten mich die Sätze: „Sendung ist immer eine Herzensangelegenheit Gottes, und sie gilt dem Gesandten selber“, „Gott sendet uns unter seiner Verheißung: ‚Ich will mit dir sein’, und er sendet uns, um sich unter den Menschen zu offenbaren.“ Gottes Wort war uns nahe, wir wurden ermutigt und konnten uns öffnen, unsere persönlichen Erfahrungen weitergeben und teilhaben am Erleben der anderen Schwestern sowie für- und miteinander beten. In unserer Gemeinschaft spürte ich gegenseitige Akzeptanz, Wertschätzung und ein frohes Miteinander. Wie gut, dass es diese Inseln gibt, um wieder einen längeren Atem beim Rudern zu haben!
 

Schwester Maria Schneider

Die Gebetszeit nach dem Abendbrot ist für mich sehr wertvoll. Jesus sagt in Johannes 14,4: „Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Weil wir diese Verheißung als Zuspruch für unser Beten haben, bringen wir unsere Bitten vertrauensvoll vor Gott. Oft sind wir weltweit unterwegs in der Fürbitte. Dankbar sind wir für jedes erhörte Gebet. Gott weiß, was gut für uns ist. Und wenn er es anders führt als erwartet, wissen wir dennoch, dass er für uns ist, uns lieb hat und es richtig macht. Es ist schön und Glauben stärkend, eine betende Schwesternschaft zu haben. Ich danke Gott dafür.
 

Schwester Johanna Fieres

Das Leben in der Schwesterngemeinschaft ist für mich Geschenk, Aufgabe und Wagnis zugleich: Wir sind alle sehr unterschiedlich. Ich merke, dass ich manches Mal die Schwester, die mit mir auf dem Weg ist, anders haben möchte – sie mich sicher auch. Ich lerne, die andere mit ihrer Meinung stehen zu lassen und sie in ihrer Andersartigkeit zu respektieren. Auch erlebe ich Korrektur, wenn zum Beispiel eine Schwester sagt: „Meinst du nicht, du solltest hier eine andere Richtung einschlagen?“ Da komme ich gestresst und müde nach Hause; mein Tag hatte es wieder in sich. Ich treffe mich mit einer Schwester und im Gespräch mit ihr merke ich, ihr geht es nicht anders. Wir fassen gemeinsam neuen Mut und im Vertrauen auf unseren Herrn wagen wir am anderen Tag neue Schritte. Oder: Eine ältere Schwester begegnet mir und sagt: „Ich bete für dich.“ Wie gut tut das! Es gibt aber auch Strecken, da leide ich an der Gemeinschaft; da machen mich die Erwartungen meiner Mitschwestern ungeduldig, oder ich bin einfach auch mal „gemeinschaftsmüde.“ Während eines gemütlichen Abends oder beim gemeinsamen Bibellesen und Erfahrungsaustausch jedoch entdecke ich dann erneut den Reichtum und das Schöne der Gemeinschaft und werde frisch belebt. Die Erfahrung, dass Jesus mich zu diesem Miteinander befähigt, bringt mich immer wieder neu zum Staunen und Danken. 
 

Schwester Ruth Hadem

Innerhalb unserer großen Schwesternfamilie sind wir auf unserem Arbeitsplatz in der Wäscherei fünf Schwestern in einer Dienstgemeinschaft. Wir sind sehr verschieden. Da gibt es im Zusammenleben und -arbeiten unterschiedliche Sichtweisen, Meinungen und Begabungen, so dass wir uns gelegentlich auch reiben und aneinander schuldig werden. Wir sind täglich abhängig von der Vergebung Jesu und haben es in über 50-jähriger Zusammenarbeit immer wieder praktiziert: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“ (Epheser 4,32). Miteinander beten wir: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ So gestalten wir den Alltag miteinander in der Hoffnungauf die zukünftige Herrlichkeit.
 

Schwester Lydia Vogel

Ich freue mich, dass wir in unserer Schwesternschaft Raum haben, um Feste zu feiern. Da sind zunächst einmal die Feste des Kirchenjahres: Wir feiern sie im gemeinsamen Gottesdienst mit unserer Hebrongemeinde und setzen die Feier danach im Schwesternkreis fort. So treffen wir uns an Heiligabend zum Beispiel nach der Christvesper zum gemeinsamen Essen und zur Bescherung sowie zu einem heiter-besinnlichen Programm und einer kurzen Andacht. An Ostern freuen wir uns über die Auferstehungsandacht in der Evangeliumshalle und das anschließende Gemeindefrühstück dort. Und nach dem Festgottesdienst treffen wir Schwestern uns zum feierlichen Mittagessen im Speisesaal. Daneben gibt es auch persönliche Festtage wie Geburtstage und Jubiläen. Wenn beispielsweise eine Diakonisse Geburtstag hat, singen ihr einige Schwestern morgens ein Geburtstagslied und gratulieren gemeinsam. Anschließend nennen sie Bibelworte, die sie der Geburtstagsschwester als Zusage Gottes weitergeben und gratulieren ihr.
 

Schwester Christa Reichmann

Es gab Jahre in meinem Leben als Diakonisse, in denen mir der Verzicht auf die Ehe sehr schwer war. Für mich war es eine große Hilfe, dass ich bei meinen Hauseltern immer einen Freiraum zum Gespräch hatte und so nie allein blieb mit meinen Gedanken und Gefühlen. In einem seelsorgerlichen Gespräch erkannte ich, dass Gott mehr für mich hat als nur schmerzlichen Verzicht. Als ich darüber nachdachte, machte Gott mir klar: Wen ich beauftrage, den begabe ich auch. Das hieß für mich: Ich bin beauftragt ehelos zu leben, folglich bin ich dazu auch begabt. Ich habe mir diese Stelle in der Bibel gesucht (1.Korinther 7), bin niedergekniet und habe Gott gedankt für die Gabe der Ehelosigkeit. Ich erlebte eine tiefe innere Befreiung. Ehelosigkeit bedeutet für mich nicht mehr Verzicht, sondern Gabe Gottes, mit der ich dankbar und fröhlich lebe. Die vorausgegangenen Jahre, in denen ich oft mit Gott gerungen habe, möchte ich nicht missen. Mir bleibt vielmehr das Staunen über Gott und über die Wunder, die er tut.
 

Schwester Ulrike Hetzel

Für mich gehört zum Leben in einer Lebensgemeinschaft selbstverständlich eine gemeinsame Kasse. Wir arbeiten in unserer Schwesternschaft in vielen verschiedenen Bereichen. Die Höhe des Gestellungsgeldes – auch Stationsgeld genannt – ist je nach Aufgabe und Qualifikation unterschiedlich. Durch die gemeinsame Kasse können Schwestern auch missionarisch-diakonische Dienste ausführen, für die es nur wenig oder kein Stationsgeld gibt. Die einzelne Schwester braucht sich keine Gedanken über ihre Versorgung zu machen, sie ist in der Schwesternschaft versorgt bis ins Alter hinein.
 

Schwester Heidemarie Sellach

Ich trage meine Diakonissentracht gern. Das Kleid gefällt mir, die Farbe auch. Ich bin damit immer angemessen angezogen. Die Tracht ist nach außen hin ein sichtbares Zeichen, das deutlich macht: Wir Schwestern sind auf einem gemeinsamen Weg in der Nachfolge Jesu. Oft regt meine Tracht andere Menschen an, sich mit mir und meinem Lebensweg auseinanderzusetzen und mit mir ins Gespräch zu kommen über Glaube und Nachfolge. Meine Tracht erfahre ich als Schutz, gerade auch in einer Großstadt wie Frankfurt. Ich habe nur wenig Verunglimpfung erfahren, aber sehr viel Vertrauen und Wertschätzung.
 

Schwester Christina Kuhlmann

Ich lebe in zwei sehr unterschiedlichen Welten, von denen man meinen könnte, sie seien nicht miteinander zu verbinden: eine älter werdende Schwesternschaft, mit der ich meinen Alltag teile, und Kinder und Jugendliche unserer Zeit, die von den Medien und der Lebenswelt des 21. Jahrhunderts geprägt sind. Doch vielleicht sind es genau diese Gegensätze, die meinen Dienst, so wie ich ihn tue, erst möglich machen. Mitten in das Leben der Kinder und Teens hinein und damit auch in die Familien, aus denen sie kommen, soll das Wort Gottes und die Liebe, mit der Gott Menschen liebt, getragen werden. Meine Schwestern haben einen wesentlichen Anteil am Gelingen solcher Aktionen für Kinder, denn bevor ich mich auf den Weg zu den Kindern mache, berichte ich ihnen von dem, was ich vorhabe und nehme sie mit hinein in die Verantwortung für die Sache Gottes. Sie beten mit, fragen nach und freuen sich, wenn Kinder begreifen, wer Jesus für sie sein möchte. Mir selbst gibt die Schwesternschaft Rückhalt in den Herausforderungen, die zu diesem Dienst gehören. Ich weiß mich umbetet und getragen und bin dankbar, dass ich mit meinen Anliegen auch für die Kinder und Mitarbeiter nicht allein vor Gott stehe.
 

Schwester Ellen Eckstein

An meine diakonische Grundausbildung schloss sich ein dreimonatiges Praktikum in der Gemeinschaftsarbeit in Ennepetal-Milspe an. Ich lernte viel und genoss die Gemeinschaft mit der älteren Schwester dort. Das Gestalten der wöchentlichen Kinderstunde war für mich jedoch immer mit panischer Versagensangst verbunden. Dennoch wurde ich kurze Zeit später gebeten, einen ganzen Sommer lang Kinderfreizeiten durchzuführen. Anschließend sollte ich die Kinder- und Jungschararbeit in der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Marburg-Süd und Kirchhain übernehmen. – Hatte die Mutterhausleitung meine Ängste vergessen, meine Worte über mein Unvermögen überhört? Außerdem konnte ich nicht einmal ein Musikinstrument spielen, und, und, und … Aber ich wollte mich doch der Sendung unterstellen und Gottes wachem Walten über mein Leben vertrauen. Und dann war es da, das Wort meines Gottes, das mich von meiner Angst befreite: „Befleißige dich, vor Gott dich zu erzeigen als einen rechtschaffenen und unsträflichen Arbeiter, der da recht austeilt das Wort der Wahrheit“ (2.Timotheus 2,15). Die Herausforderung und die intensive Beschäftigung mit der Bibel weckten eine tiefe Liebe und Begabung in mir. Tausenden von Kindern durfte ich später das Evangelium verkündigen und Arbeitsmaterial erstellen. Ich habe gelernt, nicht auf jedes „Das kann ich nicht!“ in mir mit Resignation zu reagieren. Kaum etwas hat meinen Dienst und mein Leben so gefördert wie diese herausfordernde Sendung.
 

Schwester Reintraut Radszuweit

Mit dem Übergang in den Feierabend beginnt ein neuer Lebens- und Dienstabschnitt. Wichtig ist es, sich positiv darauf einzustellen. Der Tagesablauf ist anders. Das gemeinsame Bibellesen, Beten, kreative Schaffen und Feiern findet jetzt am Vormittag oder am Nachmittag statt, nicht, wie bisher, morgens voroder abends nach dem Dienst. Der Tag fängt später an und endet früher. Je älter man wird, desto mehr Zeit braucht man für alltägliche Dinge. Deshalb vergeht auch ein Tag sehr schnell. Die Dienstgemeinschaft gestaltet sich im Feierabend anders. Unseren Kräften entsprechend helfen wir uns gegenseitig nach dem Motto: „Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh.“ So sind wir aufeinander angewiesen und freuen uns an der Gemeinschaft. In einer Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft lässt es sich – auch im Alter – gut leben.