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Schwester Ursula und die Apfelernte

Mit voller Energie und Elan ist die 79-jährige Schwester Ursula mit der Apfelernte beschäftigt. Jedes Jahr Ende September ist es im Diakonissen-Mutterhaus Hebron in Marburg-Wehrda wieder soweit. Die Apfelsaison ist fester Bestandteil von Schwester Ursulas Jahresplanung. Voller Vorfreude geht sie in die Erntezeit. „Der heiße Sommer 2022 hat die Äpfel schneller reifen lassen. Deshalb ging es dieses Jahr schon etwa zwei Wochen früher los“, sagt sie. Dutzende Apfelbäume unterschiedlichster Sorten gibt es auf dem weitläufigen Gelände auf dem Hebronberg zu pflegen und zu ernten. „Den Boskoop mag ich am liebsten, weil er sich gut lagern und verarbeiten lässt“, verrät sie.

1966 wurde Schwester Ursula in die Schwesternschaft aufgenommen. Sie hatte schon lange den Gedanken bewegt, ob sie auch Diakonisse werden sollte – so, wie ihre Cousine und ihre Tante; sie hielt sich jedoch nicht für geeignet. „Wenn das mein Weg sein soll, muss Jesus Christus mich berufen“, war sie überzeugt. Und eines Tages war es tatsächlich soweit: „Ich hörte eine Stimme: ‚Der Meister ist da und ruft dich!‘ Erst dachte ich, es sei mein Vater. Dann habe ich festgestellt, dass außer mir niemand im Zimmer war. Jetzt wusste ich, dass ich von Jesus Christus dazu bestimmt war, Diakonisse zu werden.“

 

Der damals 23-Jährigen ist es nicht leichtgefallen, es ihren Eltern zu sagen. „Ich wurde doch auf unserem kleinen Bauernhof im südhessischen Odenwald dringend gebraucht.“ Bald zeigten die Eltern jedoch Verständnis und unterstützten ihre Tochter bei ihrem Vorhaben.


Schwester Ursula ist eine muntere und energiegeladene Person. Sie mag die Struktur und die festen Abläufe in der Lebensgemeinschaft. Gleichzeitig braucht sie auch Abwechslung und Freiheiten, daher hat sie in den vielen Jahren ihrer Berufstätigkeit in unterschiedlichen Arbeitsbereichen mitgewirkt – von der Altenpflege, über die Hauswirtschaft und die Einmachküche bis hin zur Gartenarbeit.

„Ich darf in der Nähe Gottes arbeiten!“

Gleich in den ersten Jahren im Diakonissen-Mutterhaus Hebron beteiligte sich Schwester Ursula gerne an der Gartenarbeit. „Die Arbeit kannte ich bereits vom elterlichen Bauernhof“, sagt sie lächelnd. Schwester Ursula mochte es, an der frischen Luft und in der Natur zu sein. Auch war es eine Möglichkeit, dem quirligen Mutterhaus mit damals bis zu 848 Schwestern für eine Weile zu entgehen. Mit den Worten „Ich darf in der Nähe Gottes arbeiten“, zeigt sie ihre Zufriedenheit unmittelbar in der Natur, und damit nah bei Gott.


Damals wie heute wurden die Äpfel im Mutterhaus zu Kompott, Saft und vielen weiteren Köstlichkeiten verarbeitet. Heute sind es einige Schwestern im Ruhestand, die sich regelmäßig in einer großen Wohnküche zum gemeinsamen Apfelschälen treffen.

Schwester Ursula ist nicht sehr groß, aber ihr Lächeln ist von weit weg zu erkennen. „Es gibt Momente, da bin ich so unglaublich dankbar“, sagt sie strahlend, und bringt damit ihre Zufriedenheit und die große Liebe zu Gott zum Ausdruck.

Bis zu vier Wochen dauert die Erntezeit. Fast täglich, außer bei richtig schlechtem Wetter, macht sich die 79-jährige Diakonisse auf den Weg. Meistens packt sie ihren praktischen Wagen mit allem was sie benötigt: Eine Leiter, ein paar Eimer, Flachssäcke und Strohseile. Die teils steilen Hänge auf dem Hebronberg scheinen ihr nichts auszumachen. Dank der großen Erfahrung bewegt sie sich auf sicherem Terrain. Schwester Ursula schlägt die Äpfel mit einer langen Metallstange von den Bäumen. Dann sammelt sie die Früchte ein, füllt sie in Säcke und bindet diese mit Strohseilen zu. Mit den Äpfeln, die eingelagert werden sollen, geht sie indes sehr sorgsam um, pflückt sie behutsam von den Bäumen, damit sie nicht beschädigt werden. Mittlerweile holen die Kollegen aus der Garten- und Landschaftspflege die gefüllten Säcke ab und bringen diese zur Mosterei.

 

Schwester Ursula arbeitet konzentriert, besonnen und vorsichtig. Bisher ist ihr während der Apfelernte nie etwas zugestoßen. „Der Herbst ist die Zeit, wo die Schwestern am meisten für mich beten,“ erzählt sie etwas stolz.

Hin und wieder bekommt sie Unterstützung von Ehrenamtlichen oder Frauen, die aus Interesse eine Woche im Mutterhaus leben. Aber alleine ist sie nie. Gott ist immer bei ihr.